Offene Immobilienfonds

Vor gut zehn Jahren wurde die Investition in offene Immobilienfonds oft noch als Äquivalent einer mündelsicheren Anlage angesehen: werthaltig, sicher und flexibel. Spätestens seit den ersten Anzeichen der Immobilienkrise in den USA konnte hiervon jedoch keine Rede mehr sein. Ab 2008 haben verschiedenste offene Immobilienfonds ein- oder mehrmals die Rücknahme der Anteile ausgesetzt, ein Teil der Fonds befindet sich heute in Liquidation. Dies hat zur Folge, dass Anleger ihre Anteile nicht mehr an die Fonds zurück geben können, sondern mit ihren Anlagebeträgen im Fonds „festsitzen“. Ein Verkauf und damit die Schaffung vielleicht dringend benötigter Liquidität können nur noch über den Zweitmarkt und unter erheblichen Verlusten erfolgen.

Banken und Vermittler haben bei ihrer Beratung allerdings kaum auf die veränderten Rahmenbedingungen auf den Märkten reagiert und die Kunden nur in den seltensten Fällen auf das gestiegene Risiko der Investition hingewiesen.

Nun hat der BGH für offene Immobilienfonds entschieden, dass vom Berater ungefragt über die Möglichkeit einer Aussetzung der Anteilsrücknahme aufklären ist. Kennzeichnend für regulierte Immobilien-Sondervermögen sei, dass die Anleger ihre Fondsanteile grundsätzlich jederzeit liquidieren, d. h. zu einem im Gesetz geregelten Rücknahmepreis an die Kapitalanlagegesellschaft zurückgeben können. Die Möglichkeit, die Anteilsrücknahme auszusetzen, stelle dementsprechend ein während der gesamten Investitionsphase bestehendes Liquiditätsrisiko dar, über das der Anleger vor seiner Anlageentscheidung zu informieren sei - dies unabhängig davon, ob eine Aussetzung der Anteilsrücknahme zum Zeitpunkt der Beratung bereits vorhersehbar ist.

Damit war auch bereits vor dem Jahr 2008 vollumfänglich über die Möglichkeit der Aussetzung der Rücknahme und das damit einhergehende Zweitmarktrisiko aufzuklären!

© Rechtsanwältin Gesa Deneke ¤ Bockenheimer Landstr. 51 - 53 ¤ 60325 Frankfurt am Main

Kapitalanlagerecht